Im Handwerk fehlen 2026 rechnerisch knapp 100.000 Fachkräfte: So viele offene Stellen konnten 2025 nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden (KOFA/IW Köln). Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) spricht von rund 200.000 unbesetzten Stellen, weil viele Betriebe offene Stellen gar nicht melden. Die Auswege liegen in Ausbildung und Quereinstieg, Bindung der eigenen Leute und aktiver Ansprache von Fachkräften, die nicht suchen. Nur das Letzte wirkt innerhalb von Wochen.
Die Zahlen: 100.000 oder 200.000, welche stimmt?
Beide. Sie messen Verschiedenes. Wer die Zahl für einen Vortrag, ein Angebot oder eine Förderanfrage braucht, sollte wissen, was dahintersteht.

| Zahl | Was sie misst | Quelle, Stand |
|---|---|---|
| ca. 100.000 | Offene Stellen in Handwerksberufen, die rechnerisch nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden können (Fachkräftelücke) | KOFA Kompakt 7/2026, IW Köln, 28.07.2026 (Daten 2025) |
| ca. 200.000 | Unbesetzte Stellen im Handwerk insgesamt, laut ZDH „deutlich über“ der gemeldeten Zahl, weil viele Betriebe nicht melden | ZDH laut ZDFheute, 31.12.2025 |
| 59 von 115 | Handwerksberufe mit Fachkräftelücke, 35 davon seit über zehn Jahren | KOFA Kompakt 7/2026 |
| 157 | Engpassberufe in der gesamten Wirtschaft (2024: 163, 2023: 183), Engpässe vor allem in Pflege, Medizin sowie Bau und Handwerk | Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfteengpassanalyse 2025, Mai 2026 |
Die Zahl 250.000, die in vielen Ratgebern dem ZDH zugeschrieben wird, konnten wir auf keine Primärquelle zurückführen. Wir verwenden sie deshalb nicht.
Was die Zahlen nicht sagen
Die Fachkräftelücke sank 2025 im Handwerk nur um 9,5 %, in der Gesamtwirtschaft dagegen um 24,1 %. Trotz schwacher Konjunktur entspannt sich das Handwerk also kaum. Laut KOFA fehlen Fachkräfte nahezu überall: im Bauhandwerk für Energiewende und Infrastruktur, im Gesundheitshandwerk für die alternde Gesellschaft, im Lebensmittelhandwerk.
Dazu kommt der Nachwuchs. Laut Berufsbildungsbericht 2026 blieben im Handwerk über 16.000 Ausbildungsstellen unbesetzt (Quelle: Deutsche Handwerks Zeitung, 06.05.2026). Wie Sie Nachwuchs gewinnen, steht im Beitrag zum Azubi-Recruiting.
Ursachen: warum der Mangel im Handwerk bleibt
- Demografie: Viele erfahrene Gesellen und Meister gehen in den kommenden Jahren in Rente, es rücken weniger junge Leute nach.
- Akademisierung: Viele Schulabgänger entscheiden sich für ein Studium, das Handwerk muss um sie werben.
- Energiewende und Bauen: Wärmepumpen, Photovoltaik, Netzausbau und Sanierung erhöhen die Nachfrage genau nach den Gewerken, in denen Fachkräfte am knappsten sind.
- Passive Fachkräfte: Die meisten Gesellen haben eine Stelle, lesen keine Jobbörsen und wechseln nur auf ein konkretes Angebot.
Auswege: was Betriebe tun können, und wie schnell es wirkt
Keine Maßnahme löst das Problem allein. Entscheidend ist die Mischung aus schnellen und langsamen Wegen. Die Einschätzung zu Aufwand und Wirkdauer in der Tabelle ist unsere eigene Erfahrungs- und Plausibilitätsrechnung, keine Messung.
| Weg | Wirkt nach | Aufwand | Gut für |
|---|---|---|---|
| Ausbildung ausbauen | 3 bis 4 Jahre | mittel, laufend | Betriebe mit Kapazität zum Anleiten |
| Quer- und Seiteneinsteiger qualifizieren | 6 bis 24 Monate | mittel bis hoch | Gewerke mit Hilfstätigkeiten und Einarbeitung |
| Fachkräfte aus dem Ausland | 6 bis 18 Monate | hoch (Anerkennung, Sprache) | Größere Betriebe mit Integrationsressourcen |
| Eigene Leute halten | sofort bis Monate | niedrig bis mittel | Alle Betriebe |
| Aktive Ansprache über Instagram und Facebook | Wochen | niedrig bis mittel | Alle, die jetzt eine Stelle besetzen müssen |
1. Ausbildung und „Renaissance“ der Lehre
Der KOFA-Bericht zeigt ein gespaltenes Bild: Im Elektro-, SHK- und Dachdeckerhandwerk steigen die Ausbildungszahlen trotz Mangel, die Autorin spricht von einer „Renaissance der Ausbildung“. In Metallberufen sowie in Holz-, Möbel- und Innenausbauberufen gehen sie dagegen zurück. Für Ihren Betrieb heißt das: Ist Ihr Gewerk im Aufwind, lohnt sich Ausbildung besonders, ist es im Abwind, brauchen Sie zusätzlich eine andere Quelle.
2. Quereinsteiger und Qualifizierung
Wer einarbeitet, vergrößert den Pool. Sagen Sie in der Anzeige klar, wer anleitet, wie lange die Einarbeitung dauert und welche Qualifizierung Sie bezahlen. Quereinsteiger entscheiden sich für Betriebe, bei denen sie den Weg sehen.
3. Fachkräfte aus dem Ausland
Ausländische Fachkräfte sind ein Weg, aber kein schneller: Anerkennung des Abschlusses, Sprache und Behördengänge brauchen Zeit und eine feste Ansprechperson im Betrieb. Informieren Sie sich bei Ihrer Handwerkskammer über Anerkennungsverfahren und Beratung.
4. Halten statt nur finden
Jede Fachkraft, die bleibt, erspart eine Neubesetzung. Verlässliche Teams, pünktlicher Feierabend, ein Firmenwagen, Fortbildung und ein klarer Weg zum Vorarbeiter oder Meister kosten weniger als eine Stelle, die monatelang offen bleibt.
5. Aktive Ansprache über Instagram und Facebook
Der schnellste Weg ist, Fachkräfte zu erreichen, die gerade nicht suchen. Bezahlte Anzeigen auf Instagram und Facebook zeigen Ihr Angebot Gesellen und Monteuren im Umkreis, die eine Bewerbung am Feierabend per Handy in zwei Minuten abschicken können. Als externe Orientierung aus den USA: Im Benchmark 2026 des Anbieters Boostpoint lag der Median für Kampagnen im Bereich Skilled Trades bei 14,14 $ je Bewerbung. Deutsche Werte können abweichen, eigene Benchmarks hat Sprad nicht veröffentlicht.
Wichtig ist die schnelle Vorqualifizierung. Fünf Fragen per WhatsApp (Abschluss, Gewerk, Führerschein, Anfahrt, Kündigungsfrist) trennen passende von unpassenden Bewerbern. Warum das im gewerblichen Recruiting besser funktioniert als E-Mail, steht im Beitrag zum Recruiting per Telefon und WhatsApp. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Beispielanzeige für Gesellen finden Sie in der Branchenseite für das Handwerk.
Prüfen Sie vor dem Start im Werbeanzeigenmanager die aktuellen Regeln für die Kategorie „Beschäftigung“: Meta schränkt dort das Targeting nach Alter, Geschlecht und Postleitzahl ein, und der Geltungsbereich unterscheidet sich je Region.
Eine Reihenfolge, die in der Praxis funktioniert
- Diese Woche: Offene Stellen und Abgänge der letzten zwölf Monate zählen. Das ist Ihre eigene, wichtigste Zahl.
- In vier Wochen: Eine konkrete Anzeige mit Lohnrahmen, Team und Einarbeitung live, Bewerbung per Handy, Antwort innerhalb eines Tages.
- In drei Monaten: Das Budget auf alle offenen Stellen verteilt, die Bewerber in einem eigenen Pool gesammelt, damit die nächste Besetzung nicht bei null beginnt.
- Parallel: Ausbildungsplätze und Qualifizierung planen, weil diese Wege erst in Jahren tragen.
So löst Sprad das
Sprad Social Recruiting schaltet Stellenanzeigen auf Instagram und Facebook, genau dort, wo Pflegekräfte, Handwerker, Fahrer und andere gewerbliche Fachkräfte jeden Tag sind. Ein KI-Talent-Agent qualifiziert jede Bewerbung per WhatsApp, Telefon oder Web vor. Alle Bewerber landen im eigenen Talent Pool des Arbeitgebers, also bleiben die Kontakte beim Kunden statt bei einer Plattform. Abgerechnet wird das Werbebudget plus 10 %, ab 1.000 € Budget, das sich auf mehrere Stellen verteilen lässt. Google und TikTok folgen. Mehr unter Sprad Social Recruiting und im Talent Pool.
FAQ
Wie viele Fachkräfte fehlen im Handwerk 2026?
Je nach Messung rund 100.000 (KOFA/IW Köln, rechnerisch nicht besetzbare offene Stellen, Daten 2025) bis rund 200.000 (ZDH, Schätzung inklusive nicht gemeldeter Stellen).
Welche Gewerke sind am stärksten betroffen?
Laut KOFA fehlen Fachkräfte in nahezu allen Handwerksbereichen, besonders im Bauhandwerk, Elektro- und SHK-Bereich sowie im Gesundheits- und Lebensmittelhandwerk.
Wie lange bleibt eine Stelle im Handwerk offen?
Nach der Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit bleiben Stellen für Fachkräfte mit Berufsausbildung im Schnitt rund 183 Tage unbesetzt (Auswertung für 2025, wiedergegeben von Dritten). Im Handwerk liegen einzelne Gewerke darüber.
Was hilft kurzfristig?
Aktive Ansprache über bezahlte Anzeigen auf Instagram und Facebook mit schneller Vorqualifizierung per WhatsApp. Ausbildung und Quereinstieg wirken erst nach Jahren.
Lohnt sich Ausbildung trotz Mangel?
Ja, besonders in Gewerken, in denen die Ausbildungszahlen steigen, wie Elektro, SHK und Dachdecker (KOFA 7/2026). In Gewerken mit sinkenden Zahlen sollten Sie zusätzlich Fachkräfte direkt ansprechen.

