No items found.

Was kostet ein Recruiting-CRM? Die drei Preismodelle im Überblick

Von Jürgen Ulbrich

Recruiting- und Bewerber-CRM-Systeme rechnen meist nach einem von drei Modellen ab: pro Sitzplatz (eine monatliche Gebühr je Nutzerin oder Nutzer), nach Kontaktvolumen (eine Gebühr je nach Größe des aktiv gepflegten Kandidatenbestands) oder nutzungsbasiert über Credits (eine Gebühr je Aktion, etwa eine Nachricht oder eine angereicherte Kontaktzeile). Auf der Preisseite steht selten, welches Modell dahintersteckt, und das falsche Modell für das eigene Suchverhalten kostet häufig mehr als der falsche Anbieter.

Das ist relevant, weil ein Staffing-CRM und ein Bewerber- oder Recruiting-CRM in der Regel dieselbe Produktkategorie unter zwei Namen sind: Personaldienstleister sagen Staffing-CRM, interne Recruiting-Teams sagen Bewerber-CRM oder Recruiting-CRM. Die Preislogik dahinter ist identisch, weshalb der Vergleich der Modelle mehr bringt als der Vergleich der Listenpreise.

Die drei Preismodelle - und wofür jeweils bezahlt wird

Eine Preisseite zeigt meist eine Zahl je Paket. Der Unterschied zwischen Anbietern liegt darin, an welche Einheit diese Zahl gekoppelt ist.

ModellWofür bezahlt wirdPasst am besten, wennHauptrisiko
Pro SitzplatzFeste monatliche Gebühr je Nutzerin oder Nutzer, oft mit MindestplatzzahlEin kleines, stabiles Team nutzt das System täglichSie zahlen Lizenzen auch in ruhigen Phasen und für Gelegenheitsnutzer zum vollen Satz
Nach KontaktvolumenGebühr richtet sich nach der Zahl aktiver Kandidaten- oder KontaktdatensätzeEin großer, langfristig gepflegter Talentpool bei wenigen täglichen NutzernKosten steigen mit dem Pool, auch wenn die Ansprache-Aktivität gleich bleibt
Nutzungs- oder Credit-basiertGebühr je Aktion: eine Nachricht, eine Anreicherung, eine SucheSchwankender Bedarf, projektbasiertes Recruiting oder unklares tatsächliches VolumenKosten sind erst nach einigen Monaten echter Nutzungsdaten realistisch planbar

Mehrere Anbieter mischen beide Ansätze: eine feste Sitzplatzgebühr mit einem enthaltenen Kontaktkontingent, dazu nutzungsbasierte Zusatzkosten für Anreicherung, Nachrichten oder KI-Funktionen ab einer bestimmten Grenze. Fragen Sie ausdrücklich nach, ob ein genannter Preis der Sockelbetrag oder die erwartete Gesamtsumme ist.

Was die tatsächliche Rechnung über den Listenpreis hinaus treibt

Die Zahl auf der Preisseite ist selten die Zahl auf der Rechnung. Fünf Positionen entscheiden über den echten Unterschied zwischen Anbietern:

  • Mindest-Sitzplatzzahlen. Viele Recruiting-CRMs verlangen 3 bis 10 Plätze auch für ein kleineres Team, was die effektiven Kosten je Nutzer für ein Zwei-Personen-Team verdoppeln kann.
  • Einrichtung und Datenmigration. Die Übernahme eines bestehenden Kandidatenbestands, die Zuordnung eigener Felder und die ATS-Anbindung werden häufig separat berechnet und können mehreren Monatsgebühren entsprechen.
  • Kontakt- oder Datensatz-Obergrenzen. Ein pro Sitzplatz günstig wirkendes Paket kann ein niedriges Kontaktlimit enthalten, sodass ein wachsender Pool ein Upgrade auslöst, unabhängig von der Sitzplatzzahl.
  • Integration und API-Zugang. Zweiseitige ATS-Synchronisation, Jobbörsen-Anbindung oder API-Zugang liegen bei manchen Anbietern erst in höheren Paketen, nicht im Basispaket.
  • Separat bepreiste Zusatzfunktionen. KI-Sourcing, Anreicherungs-Credits und erweitertes Reporting werden häufig zusätzlich zur Basisgebühr abgerechnet statt enthalten zu sein.

Fragen Sie vor dem Vergleich jeden Anbieter nach demselben Szenario: Ihre tatsächliche Sitzplatzzahl, Ihre heutige Poolgröße und Ihr erwartetes monatliches Ansprachevolumen. Ein Angebot auf Basis eines anderen Szenarios ist nicht vergleichbar, auch wenn die Listenpreise ähnlich aussehen.

Ein Rechenbeispiel: ein reales Quartal durchspielen

Preismodelle lassen sich nur fair vergleichen, indem Sie die eigenen Zahlen durch jedes Modell rechnen, anhand eines typischen Quartals statt eines besonders guten oder schlechten Monats. Bei einem nutzungsbasierten System heißt das: Suchen, Ansprachen, Anreicherungen und KI-gestützte Vorprüfungen realistisch aufsummieren.

Als Beispiel für ein rein nutzungsbasiertes Modell läuft die Talentpool-Suche und Ansprache von Sprad vollständig über Credits statt über Sitzplätze: Ein Stapel von 100 Talentpool-Profilen kostet 18 bis 27 Credits, umgerechnet rund 1,26 bis 1,89 Euro zum Standardsatz, und es fallen keine Kosten für Sitzplätze, Stellenanzeigen oder die Nutzung des Kandidatenportals an. Diese Struktur lohnt sich nur, wenn die tatsächliche Nutzung geringer ausfällt, als ein Sitzplatzmodell ohnehin erzwingen würde; ein Team, das täglich durchgehend sucht, fährt mit einer festen Sitzplatzgebühr womöglich trotzdem besser. Rechnen Sie beide Modelle mit den eigenen Zahlen durch, nicht mit einem Beispielvolumen eines Anbieters.

Fragen, die Sie vor der Unterschrift stellen sollten

  • Was löst genau ein Upgrade aus: Sitzplätze, aktive Kontakte, versendete Nachrichten oder etwas anderes?
  • Ist die Einrichtung ein Festpreis, eine Schätzung nach Aufwand oder enthalten?
  • Was passiert mit dem Preis, wenn sich der Kandidatenpool innerhalb eines Jahres verdoppelt, ohne dass sich die Sitzplatzzahl ändert?
  • Welche in der Demo enthalten wirkenden Funktionen sind tatsächlich zusätzlich bepreist oder erst in einem höheren Paket verfügbar?
  • Lässt sich eine Testphase gegen die eigenen Datenmengen durchführen, nicht gegen eine Demo-Umgebung?

Konkrete, mit Quelle und Datum belegte Preise einzelner Anbieter finden Sie im Preisvergleich von Loxo, Recruiterflow und Bullhorn. Dieser Beitrag bleibt bewusst auf der Modell-Ebene, weil sich Listenpreise einzelner Anbieter schneller ändern, als ein Artikel sie pflegen kann - und weil das passende Modell für das eigene Suchverhalten wichtiger ist als die Frage, welcher Anbieter dieses Quartal zufällig am günstigsten wirkt.

Eine Grenze, die dazugehört

Kein Modellvergleich ersetzt ein Angebot auf Basis der eigenen Zahlen. Anbieter räumen bei größeren Abschlüssen regelmäßig individuelle Konditionen ein, und veröffentlichte Pakete sind ein Ausgangspunkt für Verhandlungen, kein endgültiger Preis. Behandeln Sie jede Zahl in diesem Beitrag, auch die eigenen, als Rechenrahmen und nicht als anzunehmendes Angebot.

Häufige Fragen

Was unterscheidet ein Staffing-CRM von einem Bewerber-CRM?

Meist nur die Bezeichnung. Personaldienstleister sagen eher Staffing-CRM, interne Recruiting- und Talent-Acquisition-Teams eher Bewerber-CRM oder Recruiting-CRM. Beide bezeichnen Software, die Kandidatinnen und Kandidaten sourct und pflegt, bevor eine Stelle offen ist - anders als ein Bewerbermanagementsystem (ATS), das Bewerbungen nach Eingang verwaltet.

Ist ein Sitzplatz- oder ein nutzungsbasiertes Modell günstiger?

Grundsätzlich keins von beiden. Ein Sitzplatzmodell ist für ein kleines, durchgehend aktives Team meist günstiger, ein nutzungsbasiertes Modell für schwankenden oder saisonalen Bedarf. Rechnen Sie ein typisches eigenes Quartal gegen beide Modelle durch.

Warum nennen zwei Anbieter für scheinbar dasselbe Paket sehr unterschiedliche Preise?

Meist werden unterschiedliche Einheiten bepreist: Ein Sitzplatzangebot kann unbegrenzte Kontakte enthalten, ein nutzungsbasiertes Angebot unbegrenzte Sitzplätze, aber Gebühren je Nachricht. Vergleichen Sie die abgerechnete Einheit, nicht nur die daran hängende Zahl.

Kostet die Einrichtung extra?

Häufig ja, und das ist eine der am häufigsten unterschätzten Kostenpositionen. Fragen Sie vor dem Preisvergleich nach einem Festpreis oder einer gedeckelten Schätzung für die Einrichtung.

Wie vermeiden wir, uns an das falsche Preismodell zu binden?

Fragen Sie vor der Unterschrift, nicht nach der ersten Rechnung, wie eine Vertragsverlängerung oder ein Downgrade aussieht. Ein Anbieter, der von seinem Preismodell überzeugt ist, beantwortet das ohne Zögern.

Wie wichtig ist die Vertragslaufzeit im Vergleich zum Preismodell?

Fast so wichtig wie das Modell selbst. Ein günstiges nutzungsbasiertes Angebot mit zwölf Monaten Mindestlaufzeit kann teurer werden als ein etwas höheres Sitzplatzmodell mit monatlicher Kündigung, sobald sich Teamgröße oder Suchverhalten im Jahresverlauf ändern. Klären Sie Kündigungsfristen, automatische Verlängerung und die Bedingungen für einen Wechsel zurück auf ein kleineres Paket, bevor Sie unterschreiben - nicht erst bei der ersten Verlängerung. Gerade bei projektbasiertem oder saisonalem Recruiting lohnt sich eine kurze Erstlaufzeit auch dann, wenn sie pro Monat etwas teurer ist, weil sie die Möglichkeit offenhält, das Modell nach den ersten belastbaren Nutzungsdaten neu zu bewerten.

Weiterlesen: ATS vs. CRM vs. Recruiting-Software: Der Unterschied (und was Sie brauchen)

Jürgen Ulbrich

CEO & Co-Founder of Sprad

Jürgen Ulbrich verfügt über mehr als ein Jahrzehnt Erfahrung in der Entwicklung und Führung leistungsstarker Teams und Unternehmen. Als Experte für Mitarbeiterempfehlungsprogramme sowie Feedback- und Performance-Prozesse hat Jürgen über 100 Organisationen dabei unterstützt, ihre Talent Acquisition und Devlopment Strategie zu optimieren.

Free Vorlagen & Whitepaper

Become part of the community in just 26 seconds and get free access to over 100 resources, templates, and guides.

No items found.

Die People Powered HR Community ist für HR-Professionals, die Menschen in den Mittelpunkt ihrer Personal- & Recruiting-Arbeit stellen. Lasst uns zusammen auf unserer Überzeugung eine Bewegung machen, die Personalarbeit verändert. People Powered HR Community is for HR professionals who put people at the center of their HR and recruiting work. Together, let’s turn our shared conviction into a movement that transforms the world of HR.

Ähnliche Beiträge