Manager 360 Feedback Umfrage Fragen: Vollständiger Fragenkatalog für Aufwärts‑, Peer‑ und Team‑Feedback

By Jürgen Ulbrich

Dieser Fragenkatalog enthält über 60 erprobte 360°-Feedback-Fragen für Führungskräfte — sortiert nach Bewerterrolle (Aufwärts, Peer, direkte Mitarbeitende, Selbstreflexion) und Kompetenzbereich. Jede Frage ist entweder als Likert-Item oder offene Frage formuliert. Nutzen Sie ihn als modulare Quelle: Wählen Sie 12–18 Items je Rater-Typ und stellen Sie daraus Ihren eigenen Bogen zusammen.

Was ist 360°-Feedback für Führungskräfte?

Beim 360°-Feedback wird eine Führungskraft nicht nur von einer Seite bewertet, sondern aus mehreren Blickwinkeln: von den eigenen direkten Mitarbeitenden (Aufwärtsfeedback), von Kolleginnen und Kollegen auf gleicher Ebene (Peer-Feedback) und durch Selbsteinschätzung. Manche Prozesse ergänzen die Sicht des eigenen Vorgesetzten. Ziel ist ein realistisches Bild davon, wie Führung tatsächlich erlebt wird — inklusive blinder Flecken, die eine reine Selbsteinschätzung nicht zeigt.

Ein Fragenkatalog wie dieser unterscheidet sich von einer fertigen 360°-Vorlage: Eine Vorlage gibt Ihnen einen fixen, sofort einsetzbaren Bogen mit wenigen Achsen vor — praktisch, wenn Sie schnell starten wollen. Ein Fragenkatalog wie dieser gibt Ihnen die vollständige Rohmasse, aus der Sie den Bogen für Ihren konkreten Kontext selbst zusammenstellen. Wenn Sie stattdessen sofort eine fertige Vorlage mit genau drei Achsen (Führung, Coaching, Vertrauen) einsetzen möchten, nutzen Sie die 360°-Feedback-Vorlage für Führungskräfte.

Warum ein vollständiger Fragenkatalog besser ist als eine fixe Vorlage

Generische 360°-Vorlagen scheitern daran, dass sie Kontexte nicht berücksichtigen: Ein Vertriebsmanager wird anders bewertet als eine Führungskraft im Engineering, und ein Teamleiter mit 5 Personen braucht andere Items als eine VP-Ebene mit mehreren Schichten. Ein Fragenkatalog gibt Ihnen die Rohmasse, aus der Sie einen kontextspezifischen Bogen zusammenstellen.

Gallups Forschung mit 27 Millionen Beschäftigten zeigt: Die Führungskraft erklärt mindestens 70 % der Varianz in der Team-Engagement-Score. Wer messen will, was Teams wirklich bewegt, muss die Führungskraft differenziert befragen — und das gelingt nur mit einem breiten Fragenkatalog, der die richtigen Items für den jeweiligen Kontext bereit hält.

Block A: Aufwärtsfeedback — direkte Mitarbeitende bewerten ihre Führungskraft

Aufwärtsfeedback ist die hochwertigste Quelle im 360°-Prozess. Direkte Mitarbeitende erleben täglich, ob ihre Führungskraft klar kommuniziert, wirklich coacht und ein sicheres Klima schafft. Empfohlene Anzahl: 8–12 Items aus diesem Block.

Klarheit und Orientierung

Item-IDFrageTyp
A1Meine Führungskraft kommuniziert klare Ziele, sodass ich weiß, woran mein Erfolg gemessen wird.Likert 1–5
A2Bei konkurrierenden Prioritäten hilft mir meine Führungskraft, die richtige Reihenfolge zu finden.Likert 1–5
A3Entscheidungen werden mir mit Begründung mitgeteilt — nicht nur als Anweisung.Likert 1–5
A4Was sollte Ihre Führungskraft ändern, damit Ihr Team klarer weiß, was Priorität hat?Offen

Coaching und Entwicklung

Item-IDFrageTyp
A5Meine Führungskraft gibt mir regelmäßig konkretes, verhaltensnahes Feedback.Likert 1–5
A6Ich erhalte Aufgaben, die mich über meine aktuelle Kompetenz hinaus entwickeln.Likert 1–5
A7Meine Führungskraft stellt eher Fragen als Lösungen, wenn ich ein Problem anspreche.Likert 1–5
A8Meine Führungskraft zeigt echtes Interesse an meiner langfristigen beruflichen Entwicklung.Likert 1–5
A9Beschreiben Sie eine Situation, in der Ihre Führungskraft Sie konkret weitergebracht hat.Offen
A10Was tut Ihre Führungskraft, das Ihre Entwicklung eher bremst als fördert?Offen

Psychologische Sicherheit und Vertrauen

Item-IDFrageTyp
A11Ich kann Fehler zugeben, ohne Konsequenzen zu befürchten.Likert 1–5
A12Ich kann abweichende Meinungen äußern, ohne dass das meiner Karriere schadet.Likert 1–5
A13Meine Führungskraft reagiert auf Kritik sachlich und nicht defensiv.Likert 1–5
A14Wenn ich ein Problem anspreche, wird es ernst genommen und es folgen Maßnahmen.Likert 1–5
A15Was müsste sich ändern, damit Sie sich trauen, jeden Gedanken offen anzusprechen?Offen

Kommunikation und Verlässlichkeit

Item-IDFrageTyp
A16Meine Führungskraft ist erreichbar, wenn ich ihre Unterstützung brauche.Likert 1–5
A17Zusagen meiner Führungskraft werden eingehalten — auch unter Druck.Likert 1–5
A18Ich erhalte rechtzeitig alle Informationen, die ich für meine Arbeit benötige.Likert 1–5

Block B: Peer-Feedback — Kolleginnen und Kollegen auf gleicher Ebene

Peer-Feedback erfasst die horizontale Dimension: Zusammenarbeit über Teamgrenzen hinaus, Verlässlichkeit in Projekten, Verhalten in Konflikten. Diese Items sind für Führungskräfte konzipiert, die mit anderen Führungskräften oder internen Stakeholdern interagieren. Empfohlene Anzahl: 5–7 Items.

Item-IDFrageTyp
B1Diese Führungskraft kommuniziert bereichsübergreifend klar und zeitnah.Likert 1–5
B2Bei Meinungsverschiedenheiten sucht diese Person sachlich nach Lösungen — nicht nach Schuldigen.Likert 1–5
B3Auf Zusagen dieser Führungskraft kann ich mich verlassen.Likert 1–5
B4Diese Person fördert den Wissensaustausch zwischen Teams aktiv.Likert 1–5
B5Wie reagiert diese Führungskraft, wenn Pläne kurzfristig geändert werden müssen — beschreiben Sie ein Beispiel.Offen
B6Wie hat die Zusammenarbeit mit dieser Führungskraft Ihre eigene Arbeit beeinflusst — positiv oder negativ?Offen
B7Diese Führungskraft gibt konstruktives Feedback, auch wenn es unbequem ist.Likert 1–5

Block C: Selbstreflexion — Fragen für die Führungskraft selbst

Selbstbewertung ist wertlos, wenn sie nur die Außenwahrnehmung bestätigt. Wirksame Selbstreflexionsfragen fordern zu Blinde-Flecken-Analyse auf. Empfohlene Anzahl: 5–8 Items.

Item-IDFrageTyp
C1Ich kommuniziere Prioritäten klar, sodass mein Team weiß, was zuerst kommt. (Selbsteinschätzung)Likert 1–5
C2Ich gebe regelmäßig verhaltensnahes Feedback — nicht nur bei der Jahresbeurteilung.Likert 1–5
C3Mein Team traut sich, mir schlechte Nachrichten zu überbringen.Likert 1–5
C4In welchen Situationen bin ich selbst ein Hindernis für mein Team?Offen
C5Was ist das letzte Feedback, das ich aktiv von meinem Team eingeholt habe — und was habe ich daraufhin geändert?Offen
C6Wann habe ich zuletzt echtes Coaching betrieben (Fragen statt Antworten) — und wann bin ich in den Instruktions-Modus gefallen?Offen

Block D: Bonus-Items für spezifische Kontexte

Je nach Unternehmenskontext, Teamgröße und Führungsebene können folgende Zusatz-Items relevant sein.

Remote- und Hybrid-Führung

  • D1: Meine Führungskraft schafft auch auf Distanz ein Gefühl von Zusammenhalt und Zugehörigkeit. (Likert)
  • D2: Asynchrone Kommunikation meiner Führungskraft ist klar und vollständig — ich muss selten nachhaken. (Likert)
  • D3: Wie stellt Ihre Führungskraft sicher, dass Remote-Mitglieder die gleiche Sichtbarkeit haben wie Kolleginnen und Kollegen vor Ort? (Offen)

Diversity, Equity und Inklusion

  • D4: Meine Führungskraft berücksichtigt aktiv unterschiedliche Perspektiven bei Entscheidungen. (Likert)
  • D5: Alle Teammitglieder erhalten gleichermaßen Entwicklungschancen — unabhängig von Hintergrund oder Position. (Likert)

Change-Leadership und Resilienz

  • D6: In Phasen des Wandels gibt meine Führungskraft Orientierung und bleibt ansprechbar. (Likert)
  • D7: Meine Führungskraft vermittelt Zuversicht, ohne Probleme zu beschönigen. (Likert)

Skala und Auswertung: Was bedeuten die Werte 1–5?

Alle Likert-Items in diesem Katalog nutzen dieselbe 5er-Skala, damit Ergebnisse über Blöcke und Rater-Gruppen hinweg vergleichbar bleiben. Wichtig ist nicht nur der Mittelwert, sondern die Verteilung: Ein Item mit vielen Antworten in der Mitte zeigt Unsicherheit, ein Item mit hoher Streuung (viele Einser und Fünfer) zeigt uneinheitliche Erfahrungen im Team — beides ist ein eigenes Gesprächsthema im Debrief.

WertBedeutungWas es im Debrief heißt
1Stimme überhaupt nicht zuKlares Entwicklungsfeld, konkrete Beispiele erfragen
2Stimme eher nicht zuTendenz zur Schwäche, im Kontext der offenen Fragen prüfen
3Teils/teilsOft ein Signal für Unsicherheit oder fehlende Erfahrung mit der Situation
4Stimme eher zuSolide Stärke, punktuell noch ausbaufähig
5Stimme voll zuKlare Stärke — als Beispiel für andere Blöcke nutzbar

Rein zahlenbasierte Auswertung reicht nicht: Verknüpfen Sie jeden auffälligen Likert-Wert mit den passenden offenen Antworten aus demselben Block, bevor Sie mit der Führungskraft ins Gespräch gehen.

Wie Sie den Katalog zu einem Bogen zusammenstellen

Rater-GruppeEmpfohlene ItemsGesamtlänge
Direkte Mitarbeitende (Aufwärts)A1–A18: 8–12 auswählen + 2–3 offene Fragen10–15 Items
Peers (Kolleginnen/Kollegen)B1–B7: 5–6 auswählen + 1–2 offene Fragen6–8 Items
SelbstreflexionC1–C6: alle oder 4–5 auswählen5–6 Items
Kontext-spezifischD1–D7: je nach Relevanz 2–3 ergänzen2–3 Items

Wichtig: Frankli empfiehlt, nicht mehr als 25 Items je Rater-Gruppe zu verwenden — darüber steigt die Abbruchquote messbar. Besser weniger und qualitativ hochwertig als vollständig und unerledigt.

Qualitätskriterien für gute 360°-Feedback-Fragen

KriteriumGutes BeispielSchlechtes Beispiel
Verhaltensanker„Meine FK gibt konkretes Feedback auf mein Verhalten."„Meine FK ist ein guter Coach."
Eindeutigkeit„Entscheidungen werden mit Begründung kommuniziert."„Meine FK kommuniziert gut."
Beobachtbarkeit„Ich erhalte Aufgaben, die mich fordern."„Meine FK schätzt mein Potenzial."
Keine Doppelfragen„Meine FK ist erreichbar, wenn ich Hilfe brauche."„Meine FK ist erreichbar und antwortet schnell."

So läuft eine 360°-Feedback-Runde in der Praxis ab

Ein Fragenkatalog allein macht noch keinen guten Prozess. Vier Phasen entscheiden darüber, ob die Ergebnisse am Ende genutzt werden oder in einer Schublade landen:

PhaseWas passiertTypische Stolperfalle
1. DesignItems aus diesem Katalog auswählen, Rater-Gruppen festlegen, Anonymitätsschwelle definierenZu viele Items — Abbruch statt vollständiger Antworten
2. KommunikationZweck, Ablauf und Vertraulichkeit an alle Beteiligten kommunizieren, inkl. BetriebsratZweck bleibt vage — Rater antworten sozial erwünscht statt ehrlich
3. DatenerhebungZeitfenster von 1–2 Wochen, Erinnerungen an Rater mit niedriger RücklaufquoteKein Reminder — Rücklauf zu gering für belastbare Auswertung
4. Debrief und MaßnahmenErgebnisse mit der Führungskraft besprechen, 2–3 konkrete Entwicklungsmaßnahmen ableitenNur Zahlen zeigen, ohne Gespräch — keine Verhaltensänderung

Wenn Sie zusätzlich unabhängig von der Führungskraft direkt bei den Mitarbeitenden nachfragen möchten, wie sie die Zusammenarbeit erleben, ergänzt ein Skip-Level-Meeting-Fragebogen das 360°-Feedback um eine ungefilterte, direkte Perspektive.

Datenschutz und Betriebsrat in DACH

In Deutschland unterliegt der Einsatz eines 360°-Feedback-Tools der Mitbestimmung des Betriebsrats gemäß § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG, wenn das Instrument zur Verhaltens- oder Leistungskontrolle eingesetzt werden kann. Die Verarbeitung personenbezogener Daten der Rater und der bewerteten Führungskraft stützt sich arbeitsrechtlich auf § 26 BDSG. Schließen Sie vor dem Einsatz eine Betriebsvereinbarung ab, die folgende Punkte regelt: Zweck (ausschließlich Entwicklung), Anonymisierungsschwellen (mindestens 5 Rater pro Gruppe), Datenspeicherung, Zugriffsrechte und Auswertungsprozess.

FAQ: Häufige Fragen zum Manager-360°-Fragenkatalog

Welche Fragen liefern das ehrlichste Feedback?

Verhaltensankernde Fragen mit konkretem Bezug zu erlebbaren Situationen. „Meine FK gibt Feedback, das mein Verhalten anspricht" ist trennschärfer als „Meine FK ist ein guter Coach." Ergänzen Sie jede Likert-Frage mit der optionalen Bitte um ein konkretes Beispiel.

Wie viele Rater brauche ich für ein valides Ergebnis?

Pro Rater-Gruppe mindestens 5 Personen, damit Anonymität gewahrt bleibt und statistische Stabilität entsteht. Bei sehr kleinen Teams kann ein strukturiertes Einzel-Interview sinnvoller sein als ein anonymer Bogen.

Soll ich Skalen oder offene Fragen priorisieren?

Beides hat seinen Platz: Likert-Skalen ermöglichen Vergleiche und Trends. Offene Fragen liefern die qualitativen Einblicke, die Zahlen erst erklärbar machen. Empfohlenes Verhältnis: 70 % Likert, 30 % offen.

Kann ich diesen Katalog für alle Führungsebenen verwenden?

Als Ausgangsmaterial ja — aber passen Sie die Items an. Eine VP-Ebene braucht mehr Items zu strategischer Ausrichtung und Stakeholder-Management, ein Teamleiter mehr zu operativer Klarheit und direktem Coaching.

Was ist der Unterschied zwischen einem Fragenkatalog und einer fertigen 360°-Vorlage?

Ein Fragenkatalog wie dieser ist die vollständige Rohmasse: über 60 Items zum Auswählen und Kombinieren nach Kontext. Eine fertige Vorlage ist bereits auf wenige Achsen reduziert und sofort einsetzbar. Wenn Sie schnell starten wollen, nutzen Sie die 360°-Vorlage mit den drei Achsen Führung, Coaching und Vertrauen; wenn Sie einen eigenen, kontextspezifischen Bogen bauen wollen, ist dieser Katalog die bessere Basis.

Wie unterscheidet sich 360°-Feedback von einem allgemeinen Manager-Feedback-Fragebogen?

360°-Feedback fragt gezielt mehrere Perspektiven ab (Aufwärts, Peer, Selbst) zu Führungsverhalten im engeren Sinn. Ein allgemeinerer Manager-Feedback-Fragenkatalog deckt zusätzlich HR-Themen wie Zusammenarbeit mit HR-Prozessen und Eskalationswege ab und eignet sich, wenn Sie über reine Führungsqualität hinaus auch operative Zusammenarbeit erfassen wollen.

Was ist der Unterschied zwischen Aufwärtsfeedback und 360°-Feedback?

Aufwärtsfeedback ist ein Teil des 360°-Prozesses: Nur direkte Mitarbeitende bewerten ihre Führungskraft. Beim vollständigen 360° kommen Peer-Feedback, Selbstreflexion und ggf. der eigene Vorgesetzte hinzu. Mehr Perspektiven bedeuten vollständigere — aber auch aufwändigere — Auswertung.

Wie verhindere ich, dass Mitarbeitende nur sozial erwünscht antworten?

Vollständige Anonymität kommunizieren, Ergebnisse ausschließlich für Entwicklung nutzen (keine Gehaltsrelevanz), und die Führungsebene selbst beim Prozess mitmachen lassen. Gallup zeigt: Wenn Führungskräfte offen mit dem eigenen Feedback umgehen, steigt die Antwortqualität im gesamten Prozess. Ergänzend hilft ein Blick auf allgemeine Engagement-Treiber im Team, um Führungs-Feedback im größeren Kontext der Mitarbeitendenerfahrung einzuordnen.

Jürgen Ulbrich

CEO & Co-Founder of Sprad

Jürgen Ulbrich has more than a decade of experience in developing and leading high-performing teams and companies. As an expert in employee referral programs as well as feedback and performance processes, Jürgen has helped over 100 organizations optimize their talent acquisition and development strategies.

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