Eine AGG-konforme Stellenanzeige auf Social Media nennt weder direkt noch indirekt Alter, Geschlecht, Herkunft, Religion, Behinderung oder sexuelle Identität (§ 11 AGG), spricht mit Text und Bild alle Gruppen an und fragt in Formular oder Chat nur, was die Tätigkeit verlangt. Bei Meta sind Alter, Geschlecht und Postleitzahl für Beschäftigungsanzeigen nicht auswählbar, die Zielgruppe bestimmen Sie also über Tätigkeit und Region. Wer dagegen verstößt, riskiert eine Entschädigung von bis zu drei Monatsgehältern (§ 15 Abs. 2 AGG). Stand: Oktober 2026. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung.
Was das AGG für Stellenanzeigen vorschreibt
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz schützt Bewerber vor Benachteiligung wegen der Rasse, der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität (§ 1 AGG). Für Anzeigen gilt § 11 AGG: „Ein Arbeitsplatz darf nicht unter Verstoß gegen § 7 Abs. 1 ausgeschrieben werden.“ Das betrifft jede Form der Ausschreibung, also auch Instagram-Reels, Facebook-Anzeigen und den Text im WhatsApp-Chat.
Wichtig für die Praxis ist die Beweislast. Weist ein Bewerber Indizien für eine Benachteiligung nach, etwa eine Anzeige mit „junges Team gesucht“, muss der Arbeitgeber beweisen, dass er nicht benachteiligt hat (§ 22 AGG). Der Anspruch muss binnen zwei Monaten schriftlich geltend gemacht werden (§ 15 Abs. 4 AGG). Die Entschädigung darf bei einer Nichteinstellung drei Monatsgehälter nicht übersteigen, wenn der Bewerber auch bei benachteiligungsfreier Auswahl nicht eingestellt worden wäre.
Auf Social Media kommt hinzu, dass eine Anzeige schnell entsteht und viele Varianten laufen. Genau deshalb lohnt ein fester Prüfablauf, bevor eine Kampagne startet.
Die sechs Stationen im Überblick

1. Anzeigentext: Welche Formulierungen Sie vermeiden
Fachpresse und Ratgeber nennen übereinstimmend die gleichen Stolpersteine. Die Tabelle zeigt typische Formulierungen und eine neutrale Alternative.
| Risiko | Besser | Warum |
|---|---|---|
| „junges, dynamisches Team“ | „Team mit Spaß an der Arbeit“ | Altersbezug |
| „Berufsanfänger gesucht“ | „Einstieg möglich, Einarbeitung vorhanden“ | kann ältere Bewerber ausschließen |
| „Muttersprache Deutsch“ | „Deutsch auf Niveau B2“ (nur, wenn nötig) | ethnische Herkunft |
| „Verkäuferin gesucht“ | „Verkäufer (m/w/d)“ | Geschlecht |
| „belastbar“, „körperlich fit“ | konkrete Anforderung, z. B. „Heben bis 20 kg“ | Hinweis auf Behinderung |
| „Führerschein“ | „Sie dürfen Fahrzeuge der Klasse B fahren“ | sachlich begründete Anforderung |
Die Faustregel: Beschreiben Sie, was die Person tun muss, nicht wer sie ist. Anforderungen müssen sich aus der Tätigkeit ergeben.
2. Bild und Video: Auch Motive können Indizien sein
Nach der Einschätzung von Fachjuristen können auch Abbildungen ein Indiz sein, wenn sie ausschließlich ein bestimmtes Geschlecht oder Lebensalter zeigen. Für Reels und Feed-Anzeigen heißt das: Zeigen Sie unterschiedliche Menschen bei der Arbeit, nicht nur die 25-jährige Pflegekraft oder den jungen Monteur. Authentische Aufnahmen aus dem eigenen Team sind dafür eine gute Quelle, solange sie die Belegschaft realistisch abbilden.
3. Zielgruppe: Was Meta bei Jobanzeigen erlaubt
Ein Arbeitgeber darf nicht veranlassen, dass seine Stellenausschreibung nur eine bestimmte Altersgruppe oder ein Geschlecht erreicht. Meta setzt das technisch um: Für Anzeigen der Kategorie „Beschäftigung“ entfallen nach Angaben der Fachpresse die Auswahl von Alter, Geschlecht und Postleitzahl, Lookalike-Zielgruppen stehen nicht zur Verfügung, und das Targeting nach Interessen ist eingeschränkt. Die Ortsauswahl erfolgt über einen Mindestradius. Meta nutzt die Kategorie für Anzeigen in den USA, Kanada und Teilen Europas.
Prüfen Sie den aktuellen Stand immer im Werbeanzeigenmanager, weil Meta die Regeln anpasst. Wählen Sie die Kategorie „Beschäftigung“ immer aus, auch wenn Sie die Einschränkungen als lästig empfinden: Wer sie umgeht, verliert nicht nur Rechtssicherheit, sondern riskiert die Sperrung des Werbekontos.
Zielgruppen definieren Sie stattdessen über die Tätigkeit: Region, Berufsfelder, Erfahrung und Interessen an der Branche. Wie Kampagnen mit tätigkeitsbezogener Zielgruppe aufgebaut werden, zeigt die Produktseite Sprad Social Recruiting.
4. Formular, Chat und Vorqualifizierung: Welche Fragen erlaubt sind
Hier passieren die meisten Fehler, weil der Chat informell wirkt. Meta untersagt in Lead-Formularen der Kategorie „Beschäftigung“ zudem Fragen nach Alter, Geschlecht und Wohnort. Das AGG verlangt dasselbe sinngemäß für jede Vorauswahl.
| Zulässig (Tätigkeitsbezug) | Nicht zulässig |
|---|---|
| Haben Sie eine abgeschlossene Ausbildung als Pflegefachkraft? | Wie alt sind Sie? |
| Dürfen Sie in Deutschland arbeiten? | Woher kommen Sie ursprünglich? |
| Können Sie im Schichtdienst arbeiten (früh, spät, Nacht)? | Haben Sie Kinder, sind Sie schwanger? |
| Besitzen Sie den Führerschein Klasse B? | Welcher Religion gehören Sie an? |
| Ab wann könnten Sie anfangen? | Haben Sie eine Behinderung oder Erkrankung? |
Legen Sie die Muss-Kriterien vor dem Kampagnenstart schriftlich fest. Das erleichtert die Dokumentation und schützt vor spontanen Fragen im Chat. Wie Sie Kandidaten über WhatsApp rechtssicher ansprechen, lesen Sie im Beitrag Kandidaten per WhatsApp kontaktieren: Was ist erlaubt?.
5. Auswahl, Absage und Dokumentation
Das AGG endet nicht mit der Anzeige. Wer Bewerber nach Alter, Name oder Herkunft aussortiert, macht aus einer sauberen Anzeige trotzdem einen Verstoß. Dokumentieren Sie deshalb für jede Absage, welches Muss-Kriterium nicht erfüllt war. Bewahren Sie die Unterlagen so lange auf, wie Ansprüche geltend gemacht werden können, also mindestens zwei Monate nach der Absage; die Klagefrist nach § 61b ArbGG beträgt drei Monate ab der schriftlichen Geltendmachung. Datenschutzrechtliche Löschfristen gelten parallel, eine Löschung kann daher Streit um die Beweisführung erschweren. Stimmen Sie die Frist mit Ihrer Rechtsberatung ab.
Eine Absage nennen Sie sachlich und ohne Begründung, die Rückschlüsse auf geschützte Merkmale zulässt. Setzen Sie eine KI-Vorqualifizierung ein, entscheidet am Ende ein Mensch über die Absage.
6. Gehaltsangaben und Länder
Je nach Land kommen weitere Pflichten hinzu. In Österreich verlangt das Gleichbehandlungsgesetz die Angabe des Mindestentgelts in der Anzeige (§ 9 GlBG). Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie (2023/970) sieht vor, dass Bewerber vor dem Gespräch über das Einstiegsgehalt informiert werden; die Frist zur Umsetzung lief am 7. Juni 2026 ab. Prüfen Sie den Umsetzungsstand in Ihrem Land, bevor Sie Anzeigen ohne Gehaltsangabe schalten.
Checkliste vor dem Kampagnenstart
- Text: (m/w/d), keine Altersbilder, keine Herkunftsanforderung ohne Tätigkeitsbezug.
- Bild und Video: unterschiedliche Menschen, realistische Darstellung.
- Meta: Kategorie „Beschäftigung“ gewählt, keine Umgehung der Zielgruppen-Einschränkungen.
- Formular und Chat: nur Muss-Kriterien, schriftlich vorab festgelegt.
- Absagen: sachlich, dokumentiert, Entscheidung durch einen Menschen.
- Gehalt: Angabe nach dem Recht Ihres Landes geprüft.
So hilft Sprad Social Recruiting
Sprad Social Recruiting schaltet Stellenanzeigen auf Instagram und Facebook, genau dort, wo Pflegekräfte, Handwerker, Fahrer und andere gewerbliche Fachkräfte jeden Tag sind. Ein KI-Talent-Agent qualifiziert jede Bewerbung per WhatsApp, Telefon oder Web anhand Ihrer festgelegten Muss-Kriterien vor. Alle Bewerber landen im eigenen Talent Pool Ihres Unternehmens. Abgerechnet wird das Werbebudget plus 10 %, ab 1.000 € Budget. Mehr zu Sprad Social Recruiting.
Häufige Fragen
Reicht „(m/w/d)“ für eine AGG-konforme Stellenanzeige?
Nein. Das Kürzel deckt nur das Geschlecht ab. Text, Bild und Anforderungen dürfen auch auf kein anderes geschütztes Merkmal hinweisen, etwa Alter oder Herkunft.
Darf ich eine Anzeige nur an junge Menschen ausspielen?
Nein. Eine gezielte Auslieferung an bestimmte Altersgruppen oder ein Geschlecht gilt als Indiz für eine Benachteiligung. Bei Meta sind diese Einstellungen für Beschäftigungsanzeigen ohnehin nicht wählbar.
Gilt das AGG auch für Anzeigen auf Instagram, Facebook oder TikTok?
Ja. § 11 AGG gilt für jede Ausschreibung, unabhängig vom Kanal. Auch Kommentare, Stories und Chat-Nachrichten gehören dazu.
Was kostet ein Verstoß?
Bei einer Nichteinstellung kann die Entschädigung bis zu drei Monatsgehälter betragen (§ 15 Abs. 2 AGG), dazu kommen Anwalts- und Prozesskosten. Der Anspruch muss innerhalb von zwei Monaten schriftlich geltend gemacht werden.
Darf ich im WhatsApp-Chat nach dem Alter fragen?
Nein. Fragen Sie nach Qualifikation, Verfügbarkeit und Schichtbereitschaft, nicht nach Alter, Familie, Herkunft oder Gesundheit.
Wie lange muss ich Bewerbungsunterlagen aufbewahren?
Üblich sind etwa sechs Monate nach der Absage, um Ansprüche nach dem AGG abzuwehren. Stimmen Sie die Frist mit Datenschutz und Rechtsberatung ab.

