Personalvermittlung-Software kostet je nach Anbieter zwischen rund 49 Euro und knapp 2.000 Euro im Monat – reine Recruiting-CRMs für freie Personalvermittler wie akoni liegen im unteren, umfassende Vermittlungs- und Zeitarbeits-Suiten wie zvoove nennen ihren Preis dagegen gar nicht erst öffentlich. Wer die Kosten gegen eine einzige erfolgreiche Besetzung rechnet statt gegen ein abstraktes Software-Budget, stellt fest: Eine Lizenz kostet in fast jedem realistischen Szenario einen Bruchteil eines einzigen Erfolgshonorars.
Was ist Personalvermittlung-Software – und was nicht?
Personalvermittlung-Software ist ein CRM plus Bewerbermanagement für Vermittler, die Kandidaten an mehrere wechselnde Kunden verkaufen – nicht für ein Unternehmen, das nur seine eigenen Stellen besetzt. Sie verwaltet Mandate statt eigener Stellenausschreibungen, führt Provisions- und Split-Fee-Logik, und trennt Kandidatendaten sauber nach Kunde. Das unterscheidet sie von klassischen Bewerbermanagement-Systemen für internes Recruiting (etwa für eine einzelne Personalabteilung), die genau diese Mandats- und Provisionslogik nicht brauchen und meist auch nicht abbilden.
Innerhalb der Kategorie gibt es noch eine zweite Trennlinie: Tools für Personalvermittlung (dauerhafte Besetzung, Erfolgshonorar bei Vertragsabschluss) und Software für Zeitarbeit/Arbeitnehmerüberlassung (Disposition, Lohnabrechnung, Verrechnungssätze). Zvoove deckt beides ab, die meisten reinen Vermittlungs-CRMs nur Ersteres. Wer vor allem Zeitarbeit betreibt, braucht andere Vergleichskriterien – dazu mehr in einem eigenen Beitrag zu Zeitarbeits-Software.
Welche Kernfunktionen gehören dazu?
Unabhängig vom Anbieter tauchen bei fast jeder Personalvermittlung-Software dieselben sechs Bausteine auf – wer beim Vergleich eine Checkliste braucht, findet sie hier:
- Kandidatendatenbank mit Suche. Volltext- und Boolesche Suche über den eigenen Pool, meist mit CV-Parsing beim Import.
- Mandats- und Kunden-CRM. Jede offene Stelle eines Kunden als eigenes Mandat, mit Status, Frist und zuständigem Recruiter.
- Kommunikation. E-Mail-Vorlagen, teils Kalender-Integration, selten mehrkanalige Automatisierung.
- Angebots- und Provisionsverwaltung. Erfolgshonorar-Sätze, Rechnungsstellung, bei manchen Suiten auch Split-Fee-Aufteilung zwischen Recruitern.
- Onboarding-Übergabe. Dokumente und Status an den Kunden bzw. dessen ATS übergeben.
- Reporting. Pipeline-Auslastung, Time-to-fill, Umsatz je Mandat oder Recruiter.
Was in dieser Liste fehlt, aber in Anbieter-Werbetexten oft mitschwingt: automatisiertes, mehrkanaliges Active Sourcing bis zum gebuchten Termin. Dazu weiter unten mehr.
Was Personalvermittlung-Software wirklich kostet
Die folgende Tabelle zeigt reale Preise direkt von den Preisseiten der Anbieter, nicht aus Vergleichsportalen. US-Dollar-Preise sind grob mit 0,93 € pro Dollar umgerechnet – für die Größenordnung, nicht als exakter Tageskurs.
| Anbieter | Zielgruppe | Preis | Quelle | Abgerufen |
|---|---|---|---|---|
| akoni (recruiting-systems.com) | Freie Personalvermittler/Headhunter, DACH | Basic 49 €/Monat/Nutzer, Professional 79 €/Monat/Nutzer, Enterprise auf Anfrage | recruiting-systems.com | 10.09.2026 |
| Recruiterflow | Personalvermittlungs-/Search-Agenturen, international | ab 149 $/Nutzer/Monat (≈ 139 €), KI-Zusatzpaket „AIRA" auf Anfrage | recruiterflow.com | 10.09.2026 |
| Loxo | Search-/Vermittlungsagenturen, international | 149–199 $/Nutzer/Monat (≈ 139–185 €), Jahresabrechnung | loxo.co | 10.09.2026 |
| Bullhorn | Staffing-/Search-Agenturen, international | 99–165 $/Nutzer/Monat (≈ 92–153 €), größere Pakete auf Anfrage | bullhorn.com | 10.09.2026 |
| CATS | Kleinere Vermittlungsagenturen, US-fokussiert | 89 $/Nutzer/Monat (≈ 83 €) zzgl. 500 $ einmalige Datenmigration | catsone.com | 10.09.2026 |
| Manatal | Vermittlungsagenturen, international | 15–59 $/Nutzer/Monat je nach Paket (≈ 14–55 €) | manatal.com | 10.09.2026 |
| recruitpilot | Vermittlungsagenturen, Outreach/CRM-Fokus, DACH | Growth 990 €/Monat, Scale 1.990 €/Monat (Team-Lizenz, kein Preis pro Nutzer) | recruitpilot.co | 10.09.2026 |
| zvoove | Zeitarbeit + Personaldienstleistung, DACH-Marktführer | nicht öffentlich | zvoove.com | 10.09.2026 |
| JobDiva | Staffing-Agenturen, US | nicht öffentlich | jobdiva.com | 10.09.2026 |
Auffällig: Capterra, der aktuelle Google-Spitzenreiter für diese Suche, zeigt Bewertungssterne – keinen einzigen Preis. Und erp.de, ebenfalls unter den Top-Treffern, ist im Kern ein Anfrage-Formular, das Angebote von Anbietern einsammelt, ohne selbst eine einzige Zahl zu nennen. Wer vor dem ersten Vertriebsgespräch wissen will, in welcher Größenordnung sich die Investition bewegt, findet das bislang nirgends gebündelt.
Die Rechnung, die kaum einer macht: Lizenz gegen Erfolgshonorar
Personaldienstleister denken in Marge je Besetzung, nicht in Lizenzkosten je Monat. Deshalb ist die relevante Vergleichsgröße nicht „was kostet die Software gegen nichts tun", sondern „was kostet die Software gegen das, was eine einzige Besetzung einbringt". Die folgende Rechnung macht das mit offengelegten Annahmen nachvollziehbar – sie ist eine Beispielrechnung, keine Erhebung:
- Erfolgshonorar: 25 % des Bruttojahresgehalts der vermittelten Person (marktüblicher Korridor 20–30 %, bei Executive Search auch 30–35 %) – Annahme.
- Beispiel-Bruttojahresgehalt einer vermittelten Fachkraft: 60.000 € – ebenfalls Annahme, dient nur der Rechnung.
- Daraus folgt ein Erfolgshonorar von 15.000 € je Besetzung in diesem Beispiel.
Gegen diese 15.000 € gerechnet, sehen die Lizenzkosten aus der Tabelle oben anders aus als im luftleeren Raum:
| Szenario | Besetzungen/Monat (Annahme) | Erfolgshonorar/Monat | Lizenzkosten/Monat (Beispiel-Tool) | Lizenz als Anteil vom Honorar |
|---|---|---|---|---|
| Solo-Personalvermittler | 1 | 15.000 € | 79 € (akoni Professional) | 0,5 % |
| Kleines Team, 3 Recruiter | 3 | 45.000 € | 237 € (3× akoni Professional) | 0,5 % |
| Wachsende Agentur, 5 Recruiter | 5 | 75.000 € | 695 € (5× Recruiterflow) | 0,9 % |
| Executive Search, 1 Mandat/Quartal | 0,33 (anteilig) | 12.000 € (30 % von 120.000 €, anteilig pro Monat) | 185 € (Loxo Professional) | 1,5 % |
In keinem der vier Szenarien überschreitet die Lizenz 2 % dessen, was eine einzige Besetzung im selben Zeitraum einbringt. Das ist der Kern der Rechnung, die selten gemacht wird: Die Lizenz ist nicht die Hürde. Sie amortisiert sich in praktisch jedem hier gerechneten Fall mit einem Bruchteil einer einzigen Besetzung im Jahr.
Ab wie vielen Besetzungen im Monat lohnt sich eine Lizenz?
Ehrliche Antwort: rechnerisch schon ab deutlich weniger als einer Besetzung im Jahr. Bei akoni Professional (948 € Jahreslizenz) braucht es weniger als 6,5 % einer einzigen 15.000-€-Provision, um die Lizenz für zwölf Monate zu decken – selbst bei der teuersten hier geprüften Team-Lizenz (recruitpilot Scale, 1.990 €/Monat) deckt eine einzige Besetzung pro Monat die Kosten mehr als siebenfach. Die eigentliche Entscheidungsfrage ist deshalb nicht „kann ich mir das leisten", sondern: Bringt das Tool auch nur eine zusätzliche oder schnellere Besetzung im Jahr – durch kürzere Time-to-fill, mehr parallele Mandate oder weniger Verwaltungsaufwand pro Kandidat? Wenn ja, hat sich die Lizenz schon amortisiert, bevor das erste volle Jahr um ist.
Wo die Suiten aufhören: Active Sourcing als Lücke
Bei fast allen hier genannten Vermittlungs-Suiten heißt „Sourcing" im Kern: eine durchsuchbare Kandidatendatenbank plus Browser-Erweiterung zum Importieren von Profilen. Automatisiertes, mehrkanaliges Anschreiben mit Nachfass-Logik bis zum gebuchten Termin ist entweder ein separates Zusatzmodul (etwa Recruiterflows KI-Paket „AIRA", das gesondert bepreist wird) oder fehlt komplett. Bullhorn und CATS sind in ihren Basispaketen klassische ATS/CRM-Systeme, keine Outreach-Automatisierung. Wer eine Lösung sucht, die Kanalwahl, automatisiertes Anschreiben, Nachfassen und Terminbuchung in einem System abbildet, kauft das bei den meisten Anbietern separat dazu oder baut es manuell nach.
Sprad deckt diesen Teil mit der Active-Sourcing-Automatisierung ab: von der Kandidatensuche über die Kanalwahl bis zum automatisiert vereinbarten Termin, in Stufen einstellbar von reinen Vorschlägen bis zur vollautomatischen Ansprache samt Nachfassen.
Was viele Anbieter nicht zeigen – echte Grenzen
Keines der genannten Tools ersetzt das persönliche Urteil oder das Kundengespräch – sie organisieren die Vorarbeit, nicht die Entscheidung. Zwei weitere Grenzen, die in Produktseiten selten stehen:
- Preistransparenz ist die Ausnahme, nicht die Regel. Von neun geprüften Anbietern nennen zwei (zvoove, JobDiva) überhaupt keinen Preis – ein Angebot gibt es erst nach Sales-Gespräch.
- Bewerbungsscreening ist nicht automatisch dabei. Vermittlungs-CRMs verwalten Bewerbungen, bewerten sie aber in der Regel nicht automatisiert vor. Bei hohem Bewerbungsaufkommen – etwa in der Zeitarbeit – ist das ein separates Problem, das eine reine Kandidatendatenbank nicht löst.
Welche rechtlichen Vorgaben muss die Software abdecken?
Für reine Personalvermittlung (dauerhafte Besetzung gegen Erfolgshonorar) gilt nicht das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) – das betrifft Zeitarbeit/Arbeitnehmerüberlassung mit Equal Pay und Überlassungshöchstdauer. Relevant für Personalvermittlungs-Software sind stattdessen die DSGVO (Kandidatendaten, Löschfristen, Einwilligungen für den Talentpool) und das AGG (diskriminierungsfreie Stellenausschreibungen und Auswahlprozesse, dokumentierte Auswahlkriterien). Wer – wie zvoove-Kunden – sowohl Zeitarbeit als auch klassische Vermittlung betreibt, braucht beide Rahmen gleichzeitig; für den reinen Zeitarbeitsfall geht ein eigener Beitrag zu Software für Zeitarbeit näher auf AÜG-Anforderungen ein.
Häufige Fragen zu Personalvermittlung-Software
Was kostet Personalvermittlung-Software im Monat?
Reine Vermittlungs-CRMs beginnen bei rund 49 €/Nutzer/Monat (akoni Basic) und reichen bis knapp 200 $/Nutzer/Monat bei internationalen Anbietern wie Loxo oder Recruiterflow. Team-Lizenzen mit Outreach-Fokus wie recruitpilot liegen bei 990 bis 1.990 €/Monat für den ganzen Account, nicht pro Nutzer. Marktführer wie zvoove und JobDiva veröffentlichen ihre Preise gar nicht, sondern verhandeln erst nach einem Sales-Gespräch individuell.
Was unterscheidet Personalvermittlung-Software von einem ATS für internes Recruiting?
Personalvermittlung-Software verwaltet Mandate für mehrere wechselnde Kunden gleichzeitig und bildet Provisions- bzw. Split-Fee-Logik zwischen Recruitern ab. Ein ATS für internes Recruiting verwaltet dagegen Bewerbungen auf die eigenen offenen Stellen eines einzelnen Unternehmens – ohne Mandats-, Kunden- oder Provisionslogik, weil es die schlicht nicht braucht.
Brauche ich zusätzlich ein Active-Sourcing-Tool?
In den meisten Fällen ja. Die hier geprüften Vermittlungs-Suiten bieten solide Kandidatendatenbanken und Import-Funktionen, aber nur selten automatisiertes, mehrkanaliges Anschreiben mit Nachfass-Logik bis zum gebuchten Termin – das ist entweder ein separat bepreistes Zusatzmodul, wie Recruiterflows KI-Paket, oder fehlt in der Suite von Grund auf komplett.
Lohnt sich eine Lizenz für einen einzelnen Personalberater?
Rechnerisch ja: Bei einem angenommenen Erfolgshonorar von 15.000 € je Besetzung liegt selbst eine 79-€-Lizenz bei nur 0,5 % einer einzigen Provision. Die Lizenz amortisiert sich damit schon mit einem Bruchteil einer einzigen Besetzung im Jahr – nicht erst nach mehreren Mandaten.
Ist Personalvermittlung-Software auch für Zeitarbeit geeignet?
Teilweise. Zvoove deckt als einziger hier geprüfter Anbieter beides ab, Zeitarbeit und dauerhafte Vermittlung. Die meisten reinen Vermittlungs-CRMs wie akoni, Recruiterflow oder Loxo sind dagegen klar auf dauerhafte Besetzung gegen Erfolgshonorar ausgelegt und bilden weder Disposition noch Lohnabrechnung für überlassene Zeitarbeitskräfte ab.
Ist DSGVO oder AÜG relevant für Personalvermittlung-Software?
Für reine Personalvermittlung zählen vor allem DSGVO und AGG – Kandidatendaten, Löschfristen für den Talentpool, diskriminierungsfreie Stellenausschreibungen und dokumentierte Auswahlprozesse. Das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz mit Equal Pay und Überlassungshöchstdauer greift dagegen erst, sobald auch Zeitarbeit bzw. Arbeitnehmerüberlassung Teil des eigenen Geschäftsmodells ist.
