Kann man CV-Screening an softgarden anbinden? Ja, auf drei Wegen: mit der softgarden-eigenen Matching-Funktion, mit dem AI Screening Assistant von softgarden oder mit einem externen Screening-Modul, das über die softgarden-Schnittstellen andockt. Alle drei sind optional, bei allen entscheidet am Ende ein Mensch. Welcher Weg passt, hängt davon ab, ob Sie eine Reihenfolge der Bewerbungen brauchen oder eine belegte, erklärbare Bewertung, die Betriebsrat, Fachabteilung und im Streitfall ein Gericht nachvollziehen können.
Dieser Beitrag ordnet die drei Wege ein, zeigt Schritt für Schritt, wie ein externes Modul an softgarden andockt, rechnet 500 Bewerbungen durch und klärt die Rechtslage (AGG, DSGVO Art. 22, EU AI Act, Betriebsrat) mit Stand 18.10.2026. Wo wir etwas nicht belegen können, steht das ausdrücklich dabei. Sprad ist einer der externen Anbieter und deshalb nicht neutral. Die Fakten zu softgarden stammen aus der offiziellen softgarden-Dokumentation, die zu Sprad von sprad.io.
Welche drei Wege gibt es für KI-Screening bei softgarden?
Die Unterschiede liegen weniger in der Technik als darin, was Sie am Ende in der Hand haben: eine Markierung, eine Kriterienliste oder einen Bericht mit Belegen.
| Weg | Was Sie bekommen | Voraussetzung | Grenze |
|---|---|---|---|
| 1. KI-gestütztes Bewerber-Matching (softgarden) | Passende Bewerbungen werden in den Listen mit einem Rahmen und Symbol markiert, Filter nach Treffern möglich | CV-Parsing (Textkernel) im Marketplace aktiv, Funktion in den Einstellungen eingeschaltet; gilt nur für Bewerbungen nach der Aktivierung | Markiert Treffer, die Erklärung steckt in einem Hinweis am Symbol. Wie der Wert berechnet wird, legt softgarden nicht im Detail offen |
| 2. AI Screening Assistant (softgarden) | Kriterien aus der Stellenbeschreibung, je Kriterium voll, teilweise oder nicht erfüllt, plus Gesamtscore; Massenaktionen und E-Mail-Vorlagen | Optional, standardmäßig aus; im Account freizuschalten. Konditionen nennt softgarden nicht öffentlich | Bewertet die Bewerbungsunterlagen, kein Gespräch mit den Bewerbenden; laut softgarden läuft das Sprachmodell auf EU-Servern |
| 3. Externes Screening-Modul (z. B. Sprad) | Bewertung mit eigenen Kriterien, Belegen und Bericht; je nach Anbieter zusätzlich Interview und Kandidatenportal | Anbindung an softgarden über die Schnittstellen, Freischaltung durch softgarden-Support | Tiefe der Rückschreibung (Felder, Status) ist je Anbieter und Projekt verschieden und vorab zu klären |
Wenn Ihnen eine Priorisierung reicht und Sie keinen zweiten Anbieter wollen, beginnen Sie mit Weg 1 oder 2. Ein externes Modul lohnt sich, wenn Sie Gespräche mit den Bewerbenden führen wollen (Chat, Voice), einen eigenen Talentpool aufbauen oder die Bewertung quellenbelegt dokumentieren müssen.
Wie dockt ein externes CV-Screening an softgarden an?
softgarden dokumentiert die Anbindung von Drittanbietern öffentlich: Partner können im softgarden Marketplace auftreten, und die Integrationspartner-Seite beschreibt Stufen von der API-Anbindung bis zur tiefen Systemintegration. Zwei Schnittstellen sind für Screening-Anbieter relevant:
- Die Assessment API: Der Anbieter stellt vier Endpunkte bereit (Tests auflisten, Kandidat einladen, Ergebnis abholen, Kandidatendaten löschen), softgarden ruft sie auf. Der Zugang läuft über ein Bearer-Token, das der Kunde in seinen softgarden-Einstellungen hinterlegt, und die Einrichtung über den softgarden-Support.
- Die Apply API: Sie dient dazu, Bewerbungen von Drittanbietern in softgarden anzulegen, nicht zum Auslesen von Kandidaten und nicht für eigene Bewerbungsformulare (dafür gibt es die Frontend API).
Nicht gefunden haben wir in der frei zugänglichen softgarden-Dokumentation (Stand 18.10.2026) eine öffentliche Schnittstelle, die Scores in beliebige Kandidatenfelder schreibt, oder Webhooks. Wer das behauptet, sollte es für Ihren Mandanten zeigen können. Ein anderer Screening-Anbieter dokumentiert öffentlich ein Muster, das in der Praxis üblich ist: Der Wechsel eines Kandidaten in eine festgelegte Pipeline-Phase startet den Export, softgarden-Support schaltet den Anbieter frei, die Stellenbeschreibung muss gegebenenfalls separat hinterlegt werden.
Was Sprad belegt: Auf der Screening-Seite nennt Sprad softgarden in der Liste der ATS, mit denen das Modul arbeitet, und schreibt, dass der fertige Bericht im vorhandenen System oder über einen eigenen Webhook landet. Welche Felder oder Status in Ihrem softgarden-Mandanten beschrieben werden, steht dort nicht. Das klären Sie vor dem Start im Einrichtungsgespräch. Verlangen Sie die Antwort schriftlich.
Wie läuft das Screening Schritt für Schritt ab?
Der Ablauf ist bei Sprad nicht „Lebenslauf rein, Score raus“, sondern ein Gespräch mit Beleg. So beschreibt Sprad ihn auf der Produktseite; im Detail hängt er von Ihrer Konfiguration pro Stelle ab.
- Bewerbung geht in softgarden ein. Je nach Einrichtung löst ein Phasenwechsel oder eine Schnittstellenabfrage den Start aus.
- Einladung. Bewerbende erhalten einen persönlichen Link, ohne Passwort und Registrierung, per E-Mail, Web, WhatsApp oder Telefonanruf.
- Chat statt Formular. Die Bausteine (Basisdaten, Fragen mit Rückfragen, Dokumente, Interview, Terminbuchung) lassen sich je Stelle verpflichtend, optional oder aus einstellen.
- Anonymisierung vor der Bewertung. Name, E-Mail, Telefon, Alter und Anrede entfernt eine feste Regel, Herkunft, Geschlecht, Familienstand, Gesundheit und Aussehen entfernt ein zweiter Modelldurchlauf (laut AI-Ethik-Seite).
- Bewertung gegen Ihre Kriterien. Jedes Kriterium wird dreimal unabhängig bewertet, der Median zählt. Jede Bewertung verweist auf das Zitat, aus dem sie stammt.
- Bericht ins ATS. Eine Scorecard je Person mit Kriterien, Zitaten und Transkript.
- Mensch entscheidet. Laut Sprad wird nichts automatisch abgelehnt, Absagen werden als Entwurf mit Begründung formuliert und von einer Person verschickt.
Was wird zurückgeschrieben und wie transparent sind die Kriterien?
Transparenz heißt hier: Sie legen die Kriterien fest, und jede Bewertung ist auf eine Aussage zurückführbar. Eine Scorecard enthält typischerweise:
| Bestandteil | Inhalt | Wozu es dient |
|---|---|---|
| Kriterium | Von Ihnen je Stelle festgelegt, z. B. Prozessverantwortung, Tool-Tiefe, Sprachniveau | Klare Messlatte, die der Betriebsrat prüfen kann |
| Bewertung | Stufe je Kriterium, Median aus drei Läufen | Ein Ausreißer ändert das Ergebnis nicht |
| Beleg | Wörtliches Zitat aus Lebenslauf oder Gespräch, mit Fundstelle | Nachvollziehbarkeit für Fachabteilung und Bewerbende |
| Offene Punkte | Kriterien ohne ausreichenden Beleg werden als offene Frage markiert, nicht geschätzt | Gezielte Fragen im Interview |
Wichtig für die Praxis: Welcher Teil davon als Feld, Tag oder Notiz in softgarden steht und welcher nur im Bericht, ist eine Konfigurationsfrage. Prüfen Sie im Test mit echten Bewerbungen, ob Ihre Recruiter das Ergebnis dort sehen, wo sie arbeiten.
Wie viel Zeit spart das bei 500 Bewerbungen, und was kostet es?
Rechenbeispiel mit markierten Annahmen, nicht gemessen: Eine Stelle mit 500 Bewerbungen. Annahme manuell: 6 Minuten pro Lebenslauf inklusive Notiz. Annahme mit Screening: Die Recruiterin prüft die besten 125 Bewerbungen (25 %) anhand der Scorecard in je 4 Minuten und zieht 40 Stichproben aus den übrigen 375 in je 2 Minuten, damit keine Fehlbewertung unbemerkt bleibt.
| Minuten je Lebenslauf (manuell) | Aufwand manuell | Aufwand mit Screening | Ersparnis |
|---|---|---|---|
| 3 | 25,0 Std. | 9,7 Std. | 15,3 Std. |
| 6 (Annahme) | 50,0 Std. | 9,7 Std. | 40,3 Std. |
| 10 | 83,3 Std. | 9,7 Std. | 73,6 Std. |
Rechnung mit Screening: 125 × 4 Min. + 40 × 2 Min. = 580 Min. = 9,7 Std. Die Ersparnis ist also vor allem eine Frage Ihrer heutigen Minuten je Lebenslauf. Bei 45 € angenommenen Vollkosten pro Stunde entspricht die mittlere Zeile rund 1.800 €.
Kosten bei Sprad laut Preisseite (netto, Stand 06.10.2026): CV-Screening, Talent-Agent und Chat-Interviews kosten in der Flatrate 0,49 € pro Bewerbung, also 245 € für 500 Bewerbungen. Wer nur den Lebenslauf prüfen lassen will, zahlt über Credits 2 Credits je Prüfung, bei 0,10 € Listenpreis je Credit 100 € für 500 Bewerbungen. Voice- und Video-Interviews kosten zusätzlich. Die Preise für softgarden-Module nennt softgarden nicht öffentlich, Sie müssen sie anfragen.
Ist KI-Screening nach AGG und DSGVO zulässig?
Ja, wenn ein Mensch tatsächlich entscheidet und Sie Benachteiligungen vermeiden und belegen können. Drei Punkte gelten schon heute, unabhängig vom AI Act:
- AGG: Das Benachteiligungsverbot (§ 1 AGG) gilt auch für Bewerbende, § 7 AGG verbietet die Benachteiligung von Beschäftigten, zu denen nach § 6 AGG auch Bewerbende zählen, und nach § 22 AGG müssen Sie bei Indizien beweisen, dass keine Diskriminierung vorlag. Erfassen Sie deshalb Kriterien, Belege und Entscheidungen. Ein KI-System, das Namen, Geschlecht oder Herkunft vor der Bewertung entfernt, senkt das Risiko, beseitigt es aber nicht. Sprad behauptet keine Bias-Freiheit und nennt für den eigenen Testsatz 97,6 % entferntes Geschlechtssignal, der Rest sei nicht als null bewiesen.
- DSGVO Art. 22: Betroffene haben das Recht, nicht ausschließlich automatisierten Entscheidungen mit erheblicher Wirkung unterworfen zu sein (Verordnung (EU) 2016/679). Nach dem SCHUFA-Urteil des EuGH (C-634/21, 7.12.2023) kann bereits ein Score eine Entscheidung sein, wenn der Empfänger sich maßgeblich darauf stützt. Ein Mensch, der Scores nur abnickt, genügt also nicht. Die Prüfung muss echt sein.
- Information: Bewerbende müssen erfahren, dass und wie KI eingesetzt wird. Kündigen Sie das in der Einladung und der Datenschutzerklärung an.
Gilt der EU AI Act für CV-Screening, und ab wann?
Ja, als Hochrisiko-System. Anhang III Nr. 4 Buchstabe a nennt KI-Systeme, die Bewerbungen analysieren und filtern oder Kandidaten bewerten. Die Pflichten für Anhang III gelten nach dem Digital Omnibus erst ab dem 2. Dezember 2027 statt ab dem 2. August 2026, so die Verordnung (EU) 2026/1744, veröffentlicht am 24. Juli 2026 im Amtsblatt. Wer noch Quellen mit „ab 02.08.2026“ liest, sieht den alten Stand.
Für Anwender (Arbeitgeber) bedeutet das: menschliche Aufsicht, Nutzung nach Anbieterangaben, Aufbewahrung der Protokolle und die Information von Beschäftigtenvertretung und Betroffenen. Die Details stehen in der KI-Verordnung (EU) 2024/1689. Klären Sie zudem mit Ihrem Anbieter, wie er die eigenen Pflichten bis dahin erfüllt. Rechtsberatung ersetzt dieser Beitrag nicht.
Muss der Betriebsrat mitbestimmen?
Meist ja, und früh einzubinden spart Monate. Zwei Hebel sind relevant:
- § 95 BetrVG: Auswahlrichtlinien bei Einstellungen bedürfen der Zustimmung des Betriebsrats, und seit der Reform gilt das ausdrücklich auch dann, wenn KI bei ihrer Erstellung zum Einsatz kommt (§ 95 Abs. 2a). Ab 500 Beschäftigten kann der Betriebsrat solche Richtlinien verlangen.
- § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG: Mitbestimmung bei technischen Einrichtungen, die Verhalten oder Leistung der Arbeitnehmer überwachen können. Das betrifft weniger die Bewerbenden als Ihre Recruiter, wenn das System ihre Nutzung protokolliert.
Praktisch hilft eine Unterlage mit fünf Antworten: Welche Daten werden verarbeitet, welche Kriterien gelten, was wird wohin geschrieben, wer entscheidet, wie lange wird gespeichert. Sprad nennt „works council documentation“ als Bestandteil des Angebots. Bringen Sie diese Unterlage zum ersten Termin mit dem Betriebsrat mit.
Welche Fehler passieren beim Start am häufigsten?
- Kriterien aus der Stellenanzeige kopiert. Trennen Sie Muss und Kann, sonst gewinnt, wer die meisten Schlagworte nennt.
- Kein Parallel-Test. Lassen Sie 50 bis 100 abgeschlossene Bewerbungen nachträglich bewerten und vergleichen Sie mit der damaligen Auswahl.
- Ergebnis liegt im falschen Tool. Wenn Recruiter den Bericht suchen müssen, nutzen sie ihn nicht.
- Betriebsrat zu spät. Erst Konzept, dann Pilot, nicht umgekehrt.
- Stichproben vergessen. Auch bei den Niedrigbewerteten monatlich prüfen, ob gute Leute durchrutschen.
Wann passt ein externes Modul, wann reicht softgarden allein?
Ein externes Modul passt, wenn Sie bei softgarden bleiben, viele Bewerbungen je Stelle haben, Gespräche mit den Bewerbenden führen wollen und jede Bewertung belegen müssen. Es passt weniger, wenn Sie selten einstellen, eine bloße Markierung genügt oder Sie keinen weiteren Auftragsverarbeiter wollen. Prüfen Sie dann zuerst die softgarden-eigenen Funktionen. Mehr zum Unterschied zwischen echter Bewertung und bloßer Score-Anzeige lesen Sie im Beitrag Candidate Matching Software 2026. Wie Sprad alle Bewerbenden in einen Talentpool überführt, zeigt die Talent Base.
FAQ
Ersetzt das softgarden?
Nein. softgarden bleibt Ihr Bewerbermanagement, laut Sprad läuft das Modul on top und es wird nichts migriert.
Wo sehen Recruiter die Ergebnisse?
Laut Sprad im vorhandenen ATS oder über einen eigenen Webhook. Welche Felder in Ihrem Mandanten genutzt werden, klären Sie vor dem Start.
Ist das Screening automatisch diskriminierungsfrei?
Nein. Die Entfernung von Identitätsmerkmalen senkt das Risiko, ein Restrisiko bleibt. Dokumentieren Sie Kriterien und prüfen Sie Ergebnisse regelmäßig.
Darf KI Bewerbende ablehnen?
Nicht ausschließlich automatisiert, wenn die Ablehnung erhebliche Wirkung hat (Art. 22 DSGVO). Ein Mensch muss prüfen und entscheiden.
Was kostet das Screening bei Sprad?
0,49 € pro Bewerbung in der Flatrate (Screening, Talent-Agent, Chat-Interviews) oder 2 Credits je Prüfung. Stand 06.10.2026, netto, siehe Preise.
Was ist mit KI-generierten Bewerbungen?
Perfekte Unterlagen sagen wenig. Deshalb gewichten belegbasierte Verfahren Aussagen im Gespräch höher als Formulierungen im Lebenslauf und markieren Unklares als offene Frage.



